Kinder erleben Geschichte hautnah!

Die 4. Klasse unserer Schule erlebte im Rahmen einer archäologischen Projektwoche die Geschichte ihrer nahen Heimat hautnah. Sie beteiligten sich an den Ausgrabungen des „Archäologischen Spessartprojektes“ im ehemaligen Kloster Einsiedel.

Vom 2. Mai 2012 an wurden, in enger Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten AöR und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Kloster Einsiedel“ und Archäologen des Archäologischen Spessartprojektes für zwei Monate Ausgrabungen in der Klosteranlage durchgeführt.

Einsiedel 2012

Das Kloster Elisabeth-Zell, auch Kloster „Einsiedel“ genannt, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Es bestand bereits am Ende des 13. Jahrhunderts. Heute haben sich von den Baulichkeiten keine Spuren mehr erhalten. Um der Geschichte dieser einst so bedeutenden Anlage nachzuspüren, fanden sich im Frühjahr 2011 zahlreiche Vertreter der umliegenden Gemeinden und interessierte Bürger zusammen und gründeten die Arbeitsgemeinschaft „Kloster Einsiedel“. Eine erste Bestandserfassung durch ein Bodenradar lieferte kurz danach erste Informationen darüber, was sich noch unter dem Waldboden befindet.

Auch die 4. Klasse unserer Schule wurde in die Grabungen mit einbezogen. Für die Kinder war es ein aufregendes Abenteuer, vier Schultage lang nicht in ihrem Klassenzimmer, sondern mitten im Rienecker Wald zu verbringen.

Mit all ihren Sinnen lernten sie die sehr geduldige Arbeit eines Archäologen kennen und konnten diese selbst praktisch erproben. Dabei erfuhren sie hautnah die Geschichte ihrer mittelalterlichen Vorfahren. Der archäologische Leiter des Projektes, Harald Rosmanitz , zeigte ihnen täglich, anhand der selbst ausgegrabenen Scherben und Überreste des mittelalterlichen Lebens, anschaulich den schweren Alltag der Menschen der damaligen Zeit.

Einsiedel 2012

Die Kinder mussten mit Handbesen, Pinsel, Kellen und Spachteln das alte Bauwerk freilegen. Dabei fanden sie alle paar Minuten Tonscherben, Fensterglasreste und Bruchstücke von Trinkbechern. Daneben führten einige Mitschüler ein Grabungstagebuch und interviewten die beteiligten Wissenschaftler, um in den nächsten Wochen eine Präsentation über die Projektwoche zu erarbeiten. Kräftigere Jungs mussten aber auch mit Pickel und Schaufel den Erwachsenen bei der Freilegung eines Kellers und eines Schnittes der Birkenhainer Landstraße zur Hand gehen. Dabei sahen sie, dass jeder Grabungsfortschritt mit genauestens handgezeichneten Skizzen von den Wissenschaftlerinnen festgehalten wurde. Der Fund alter Skelette war für die Kinder dabei natürlich die Sensation der Woche. Neugierig und gespannt freuten sie sich auf jeden Grabungstag und hatten danach immer viel zu erzählen. Täglich veranstalteten sie einen Wettbewerb, wer denn die meisten Scherben im Ausgrabungsmüll findet. Beim Waschen und Reinigen der Scherben kamen dann die aufschlussreichen Ergebnisse zu Tage. Herr Rosmanitz hatte aus früheren Grabungen solche Scherben zu echten Behältern und Gefäßen der mittelalterlichen Zeit zusammengefügt und konnte so den Kindern ihre Funde anschaulich erklären und mit dem damaligen Leben in Verbindung setzen.

Anhand des Fundes eines „Silberlinges“ lernten die Kinder praktisch das Prägen einer Geldmünze kennen und erfuhren, dass schon damals Datum und Herrscher auf dem Geldstück festgehalten wurden.

Der Eifer und die Freude der Kinder an diesem Projekt wurden in den Fotos über die Grabungstage dokumentiert (siehe nachstehende Bildergalerie). Dieses Erlebnis werden sie sicher nicht mehr vergessen.

Link zum Spessartprojekt